Schmerz lass nach im St. Josefskrankenhaus

„Ein Indianer kennt keinen Schmerz" lautet eine Redewendung, die häufig Kindern gegenüber geäußert wird, wenn diese sich wehgetan haben. Auch wenn gemäß des Sprichworts Indianer nicht leiden müssen, so wären sie doch von ernst zu nehmenden gesundheitlichen Einschränkungen betroffen.

Denn körperliche Schmerzen haben einen Sinn, können aber durch eine gute Therapie vermindert werden. Diesen Themen widmeten sich in der vergangenen Woche die Mediziner des St. Josefskrankenhauses beim ersten Heidelberger „Schmerztag" im Rahmen eines etwa dreistündigen Vortragsvormittags.

Dr. Pascal Militzer referierte über den RückenschmerzAnästhesie-Facharzt Dr. Jörg Dieringer erläuterte den knapp 50 Besuchern in seiner Einführung die Notwendigkeit des Schmerzes: Er ist eine wichtige Warnfunktion und müsse ernst genommen werden. Zum Schutz, zum Beispiel beim Berühren heißer Gegenstände, oder aber zur Heilung, wenn verletzte Gliedmaßen geschont werden sollen, sendet der Körper über Schmerzfasern Signale an Rückenmark und Gehirn. Wenn man diese ertragen muss, helfen häufig eine positive Grundstimmung und auch Ablenkung. Problematisch wird es, wenn der sinnvolle Akutschmerz zu einem chronischen Schmerz wird, der auftritt, obwohl die ursprüngliche Ursache längst beseitigt ist. Deshalb sei es notwendig, drohende chronische Schmerzen rechtzeitig zu behandeln.

Auf die konkrete Schmerzvermeidung gingen Anästhesie-Chefarzt Dr. Markus Lüthgens und die ausgebildete Pain Nurse Bärbel Deck ein, welche die anästhesiologischen Möglichkeiten vor, während und nach einer Operation erläuterten. Hier erklärte Lüthgens, welche Arten von lokaler und regionaler Betäubung bestimmter Körperstellen möglich sind sowie auch moderne Narkoseverfahren, die meist nebenwirkungsfrei für den Patienten bleiben. Bärbel Deck ging auf die Behandlung mit Schmerzkathetern ein, die nach einer Operation gegen akute Schmerzen helfen können.

Nachdem die Besucher des Schmerztages an einer praktischen Übung zur Schmerzbekämpfung teilnehmen konnten, erläuterte Schmerztherapeutin Dr. Johanna Raqué verschiedene Therapieansätze bei chronischen Schmerzen. Insbesondere grundlegende Erkrankungen wie Gelenkverschleiß, Osteoporose, Neuropathien, Tumore und auch Rückenleiden lösen häufig chronische Schmerzen aus. Dann sei eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit einem Facharzt oder Schmerztherapeut angezeigt. Zur besseren Einschätzung der Situation ist eine Schmerzdokumentation der Patienten notwendig. Dabei zeigt sich eine Besonderheit des Schmerzes, denn Menschen nehmen ihn häufig sehr unterschiedlich wahr. Hier helfen Skalen zur besseren Einstufung. Dann erfolgt eine Therapie, die auf drei Stufen beruht: die medikamentöse Schmerztherapie, die Bewegungstherapie (zum Beispiel Physiotherapie und physikalische Maßnahmen wie zum Beispiel Stromtherapie oder Kälte-/Wärmeanwendungen, Massagen), sowie klassische Entspannungstechniken. Mit diesen drei Methoden könne häufig eine deutliche Schmerzreduktion geschehen, so Dr. Raqué.

Neurochirurg Dr. Pascal Militzer ging in seinem abschließenden Vortrag speziell auf den Rückenschmerz und seine Ursachen ein: Verspannte Muskeln, gedehnte Bänder oder verkürzte Sehnen sind mit Abstand die häufigste Ursache akuter Rückenschmerzen. Stundenlanges Sitzen vor dem Computer, einseitige Belastungen, wenig Bewegung und Übergewicht sind zivilisationsbedingte Gründe für unspezifische Rückenschmerzen. Hinzu kommen akute Bandscheibenvorfälle, Verengungen des Wirbelkanals oder Wirbelbrüche gelten als spezifische Rückenschmerzen. Hier warb Dr. Militzer für mehr Bewegung und eine bewusstere Arbeitsweise, um solchen Krankheitsbildern vorbeugen zu können. (ckl)

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Letzte Aktualisierung

21. August 2017