Heiligabend im Krankenhaus: Keine düsteren Stunden, sondern Erhellung aus Bethlehem
„Den Menschen, die an Heiligabend noch hier im Krankenhaus sind, geht es körperlich meist sehr schlecht", weiß Diplomtheologe Thomas Grün, der sich als Seelsorger im Heidelberger St. Josefskrankenhaus um die Patienten kümmert. Aber nicht nur die körperlichen Gebrechen machen den Menschen zu schaffen, sondern auch die Einsamkeit, die viele empfinden, wenn sie Weihnachten nicht zuhause im Kreis ihrer Familie verbringen können. „Wir besuchen an Heiligabend jeden Patienten. Wir gehen in jedes Zimmer und bringen das Licht von Bethlehem mit", erklärt der Theologe, und weiter: „In dieser dunkelsten Zeit des Jahres und in ihrer Ausnahmesituation empfinden viele diese kleine Geste schon als enormen Trost: Licht in die Dunkelheit zu bringen."
Eine ehrenamtliche „Grüne Dame" des St. Josefskrankenhauses begleitet den Seelsorger, um den Patienten ein offenes Ohr zu schenken - für Sorgen und Nöte, aber auch für Freude und Glück. So erinnert sich Thomas Grün an den Heiligabend 2009, als just am Heiligabend auch in der geburtshilflichen Abteilung des St. Josefskrankenhauses ein Baby das Licht der Welt erblickte - und das Licht von Bethlehem, das er den Eltern und dem Neugeborenen brachte. „Die Mutter war überglücklich, dass ihr Kind gesund geboren wurde. Das Licht von Bethlehem nahm sie als besonderes Zeichen für sich und ihr Kind". Es sind aber auch traurige Erlebnisse, mit denen der Seelsorger am Heiligen Abend in Berührung kommt: „Wie sollen wir heute Weihnachten feiern?", fragte ihn ein Mann, dessen Frau kurz zuvor nach langer Krankheit gestorben war. Grün antwortete: „Und doch ist Weihnachten immer da - in Krieg und Frieden, in Trauer und Freude, in Not und Glück. Weihnachten ist ein Fixpunkt, der Halt und Hoffnung gibt. „Ja, dann wird Weihnachten anders sein - aber es ist Weihnachten", formuliert es der Geistliche.
„Im Krankenhaus erleben die Patienten Weihnachten aber sehr unterschiedlich: Die einen sind eher bedrückt und niedergeschlagen, dass sie die Festtage nicht in gewohnter Umgebung in der Familie verbringen können. Andere, die vielleicht gar keine Familie mehr haben, sich von ihrem Partner getrennt haben oder weit von den Freunden entfernt wohnen, die sind mitunter froh, wenn sie hier bei uns sein können, weil man sich um sie kümmert und sie auf den Stationen Weihnachten in Gemeinschaft verbringen können", weiß Theologe Grün. Die Geburt Jesu passierte damals in einem Stall inmitten des Elends - und doch passierte ein Wunder. Hier sieht der Seelsorger eine Parallele zum Geschehen im Krankenhaus: „Wir geben den Patienten die Gelegenheit, den Heiligabend mitzufeiern und damit dem Leid für eine Zeit zu entfliehen". Weihnachten sei eine Einladung und wird diese nicht annehmen wolle oder könne, dürfe dies kundtun: „Es kommt auch vor, dass jemand sagt: Bleib mir weg mit dem Licht! Dann gehen wir zum nächsten weiter."
Im Anschluss an den Gang durchs Haus mit dem Licht aus Bethlehem findet um 15 Uhr in der Kapelle des Krankenhauses eine Einstimmung in den Heiligen Abend mit Liedern und Texten statt. Auch dort wird das Licht von Bethlehem eine zentrale Rolle spielen. „Wir gestalten diese Feier immer sehr anschaulich und werden nach dem Einzug das Kind in die Krippe legen, als Zeichen, dass Jesus nun bei uns ist", erklärt Thomas Grün. Nicht nur die Patienten im St. Josefskrankenhaus suchen die feierliche und trostreiche Atmosphäre in der Kapelle: In jedem Jahr kommen mehr als 50 Gäste ins Haus, um gerade hier am Heiligabendgottesdienst teilzunehmen und die Gemeinschaft von Kranken und Gesunden zu pflegen. „Und es werden jedes Jahr mehr", freut sich der Geistliche. Jene Patienten, die ihr Zimmer nicht verlassen können, haben die Möglichkeit das vertraute Weihnachtsevangelium und die Lieder über den Hausfunk mitzuverfolgen. (ckl)
Information: Die Christmette findet an Heiligabend um 15 Ihr in der Kapelle des St. Josefskrankenhauses statt. Am 1. und am 2. Weihnachtsfeiertag gibt es dort jeweils um 9 Uhr einen Gottesdienst.
