Akademisches Lehrkrankenhaus
der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg

Aktionstag Pflege: „Wir haben einen tollen Beruf!"

Es waren klare Worte, die beim „Aktionstag Pflege der kirchlichen Krankenhäuser“ an die Politik gerichtet wurden. Und ob der Dauernegativschlagzeilen von einem leergefegten Bewerbermarkt für Pflegeberufe und einem marodierenden Gesundheitssystem verwunderte es fast ein wenig, dass die angereisten Pflegekräfte und Mitarbeiter aus den kirchlichen Krankenhäusern neben ihren Forderungen ein flammendes Plädoyer für den Pflegeberuf hielten. Denn bei aller Kritik wurde deutlich an diesem Aktionstag: Die Pflegerinnen und Pfleger lieben ihren Beruf „Es ist ein so schöner Beruf! Wir brauchen aber ein positives Bild von der Pflege in der Öffentlichkeit!“, so die einhellige Meinung.

Veranstaltet wurde der Aktionstag unter dem Motto „Zeit für Veränderung – gemeinsam für professionelle Pflege mit Hingabe und Zukunft“ von der Landesarbeitsgemeinschaft der katholischen Krankenhäuser in Baden-Württemberg und vom Evangelischen Krankenhausverband Baden-Württemberg e.V. Ziel ist es, den Druck auf die Politik erhöhen, die Rahmenbedingungen in der Pflege zu verbessern. Dazu kamen am 13. Juli rund 400 Pflegekräfte und Klinikmitarbeiter in der Liederhalle in Stuttgart zusammen. Das St. Josefskrankenhaus Heidelberg reiste mit 40 Mitarbeitern aus Pflege, Krankenpflegeschule und Klinikverwaltung an, um den Aktionstag tatkräftig zu unterstützen.
Unter den Rednern waren Heribert Prantl  von der „Süddeutschen Zeitung“ sowie MitarbeiterInnen aus dem Pflegedienst und der Ärzteschaft verschiedener Kliniken, die in Form von 10-minütigen Blitzlichtern aus ihrem Alltag berichteten. Anschließend diskutierten die Bundestagsabgeordneten Heike Baehrens (SPD) und Karin Maag (CDU/CSU) mit Krankenhausexperten über die Frage, wie eine professionelle und zugewandte Pflege auch in Zukunft möglich sein könne. Ihnen wurden nebst einem Forderungskatalog rund 5.200 Unterschriften für eine bessere Situation der Krankenpflege übergeben.

Klare Worte An die Politik: Bessere Rahmenbedingungen

Unter den Rednern und den Teilnehmern im Saal herrschte Einigkeit darüber, dass sich die Rahmenbedingungen, die für eine professionelle und den Patienten zugewandte Pflege erforderlich seien, zunehmend verschlechtern. „Wir brauchen eine kooperative Zusammenarbeit, und zwar auf allen Ebenen im Krankenhaus – auf Augenhöhe“, rief Matthias Jenny, Pflegedirektor am Evangelischen Diakoniekrankenhaus in Freiburg, unter lautstarkem Beifall. „Wir sind überfrachtet von administrativen Aufgaben. Wir bitten Euch, gebt uns die Rahmenbedingungen zurück – und wir geben Euch unsere Hingabe zurück“.

Weder "Schwarzwaldklinik" noch "Für alle Fälle Stefanie"

Ein verklärtes und unrealistisches Bild der Pflege, befördert durch Krankenhaus-Serien wie die „Schwarzwaldklinik“ oder „Für alle Fälle Stefanie“ sei auf Altruismus reduziert und spiegele weder den Alltag mit seiner Arbeitsverdichtung wider noch die zunehmende Professionalisierung des Pflegeberufs, sagte Miriam Abu-Hesen, Stationsleiterin an der Vincentius-Diakonissen-Kliniken gAG in Karlsruhe. Mit einem solchen Image werde es kaum gelingen, Nachwuchskräfte zu gewinnen. „Wir sind alle gefragt. Unsere Begeisterung für diesen wertvollen Beruf muss überschwappen. Verlassen wir das Jammertal. Wir brauchen ein positives Bild von der Pflege in der Öffentlichkeit“, schloss sie unter donnerndem Applaus.
Und Martin Löw, Pflegerischer Bereichsleiter Palliativmedizin am Diakonie-Klinikum Stuttgart, betonte: „Ich liebe meinen Beruf. Es gibt so viele schöne Momente – mit den Patienten, mit den Kollegen, mit den Auszubildenden. Lasst uns daran arbeiten, dass das Feuer, diese Leidenschaft für diesen schönen Beruf nicht erlischt. Es liegt auch an uns, wie wir in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden“.

"Es muss Geld ins System"

Ähnlich sahen es auch Bernd Rühle, Geschäftsführer des Evangelischen Krankenhausverbandes Baden-Württemberg e.V. und Frank Feinauer, Pflegedirektor am Caritas Krankenhaus Bad Mergentheim. Wichtig sei, „dass Lösungen gefunden werden, die nicht wie ein Strohfeuer wirken“, so Rühle. „Es muss Geld ins System“, betonte er. „Private Krankenhausträger machen die Pflege kaputt“, sagte Feinauer. „Wenn wir weiterhin Krankenhäuser schließen, dann schaffen wir ein sehr großes Problem“. In dem gemeinsamen Positionspapier heißt es: „Wir fordern u.a., die versprochene volle Refinanzierung der Tarifsteigerungen umzusetzen sowie die volle Refinanzierung der Investitionskosten der Krankenhäuser durch eine Anhebung der pauschalen Fördermittel. Wir wollen außerdem einen Beitrag zur Entbürokratisierung, eine Entlastung der Pflege von Dokumentationspflichten und ein Ende der Arbeitsverdichtung". Einfache Lösungen wie Mindestpersonalbemessungen oder Personaluntergrenzen hätten nur zusätzlichen Dokumentationsaufwand zur Folge. Solche Lösungen bezögen die individuelle Situation in den verschiedenen Häusern nicht mit ein. Es brauche ausreichend Stellen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen mit gut ausgebildeten und motivierten Fachkräften.

Was bedeutet Menschenwürde?

Heribert Prantl, Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, griff in seiner persönlichen und nachdenklichen Rede den Begriff und die Bedeutung der Menschenwürde auf. Aus Platzgründen können wir seine engagierten Worte, die mit großem Beifall bedacht wurden, hier nicht wiedergeben. Wir zitieren ihn mit seinen eindrücklichen Schlussworten: „Der Sozialstaat ist einer der größten Errungenschaften. Seine Zerstörung zerstört jedoch die Würde des Menschen. Denn die Krankenhäuser, die Pflege- und die Altenheime sind die wichtigsten Orte, in denen sich der Artikel 1 des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, zu bewähren hat. (Steffanie Richter)

Fernsehbeitrag ►L-TV

Eine Delegation von rund 40 Mitarbeitenden aus dem St. Josefskrankenhaus Heidelberg demonstrierte in Stuttgart beim Aktionstag für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege. – hier: Stuttgart.

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